Mitarbeiterausflug 2016 – Pistenlust und Gaumenfreude

Vielleicht war es die dünne Schneeschicht vor der Panixerhütte an einem Septembermorgen im Jahr 2015, die in manch einem den Wunsch nach mehr weckte. Jedenfalls wurde kurze Zeit später die Idee eines Mitarbeiterausflugs im Winter sanktioniert und unser Skiausflug war beschlossene Sache.

So sassen wir ein halbes Jahr nach unserer Rückkehr vom Panixerpass pünktlich im Zug nach Zermatt. Korrekter gesagt: Wir waren pünktlich, bis zu dem Zeitpunkt, als die Matterhorn Gotthard Bahn andere Pläne ankündigte und Roland Leuenbergers Zeitplan ein erstes Mal etwas strapaziert wurde. Nichtsdestotrotz erreichten wir mit guter Laune und nur unwesentlich verspätet unsere Zieldestination, wo wir – falls nicht bereits vorhanden und selber mitgeschleppt – Ausrüstung und Skipass erhielten und wir mittels einer vollständig im Tunnel verlaufenden Standseilbahn gleich nochmals einige hundert Höhenmeter überwanden.

Im Skigebiet Gornergrat / Sunnegga angekommen, stürzten sich die Ski- und Snowboardfahrer ins Vergnügen bzw. in den Nebel, während sich jene, die aus unterschiedlichen Gründen auf den rutschenden Untersatz verzichteten, zu Fuss auf den Weg zum Bergrestaurant „Chez Vrony“ machten. Bereits beim Eintreten in die vermeintlich einfache Berghütte wurde klar, dass einen hier mehr erwartete als Gerstensuppe oder Rösti mit Spiegelei. Die Inneneinrichtung trumpfte auf mit einem Mix aus rustikalen, derben Holzmöbeln, einer verschwenderischen Anzahl von Kissen und Decken sowie Bling-Bling Leuchtern im Stil von Harald Glööckler. Diese sehr gelungene Mischung wurde allerdings problemlos getoppt durch die charmante Bedienung, die – mit kräftiger Unterstützung eines vorzüglichen Heida – manch einem den Kopf auf angenehme Weise verdrehte.

Gesättigt und zu neuen Untaten bereit verliessen wir das „Chez Vrony“, das nicht umsonst als Juwel unter den Bergrestaurants gilt und kürzlich mit 13 Gault Millau Punkten ausgezeichnet wurde. Nach einem bei zunehmendem Schneegestöber verbrachten Nachmittag traf man sich im Hotel Riffelhaus, von wo aus wir mit der Gornergratbahn bis zum Rotenboden befördert wurden. Dort angekommen, geleiteten uns zwei Guides zum Zermatter Iglu-Dorf. Was allerdings als kurzer  Spaziergang angekündigt war, entwickelte sich zu einem veritablen Überlebenstraining, das (allerdings vollkommen unbeabsichtigt) ganz die Handschrift von Roland Leuenberger trug. Der bereits am Nachmittag aufgekommene Wind ging mit dem Schnee eine unheilvolle Allianz ein, wodurch einerseits die Sichtweite drastisch verkürzt sowie die akustische Wahrnehmung auf das Heulen des Windes und den eigenen schneller gehenden Atem beschränkt wurde. Diese Umstände genügten, um beim Stampfen durch den kniehohen Tiefschnee schon ab und zu kleinere Panikgefühle auszulösen, sobald der Vordermann vom Schneegestöber verschluckt wurde und man sich plötzlich ganz allein auf knapp 3‘000 m.ü.M. wähnte. Nach dem Adrenalinkick erreichten dann jedoch alle wohlbehalten das Iglu-Dorf, wo man sich nach dem überstandenen Abenteuer an einem Begrüssungsdrink gütlich tun konnte, während man sich die Eiskristalle aus den Haaren (sofern vorhanden) klaubte. Nach einem längeren Aufenthalt im Jacuzzi und in der pseudofinnischen Grillkota ging es dann in die Expeditionsschlafsäcke, die – wie man uns versicherte – auf Minustemperaturen von -20° bis -40° ausgelegt waren.

Als wir am Morgen das Iglu (eigentlich war es eher eine Art „Iglukonglomerat“) verliessen, wurden wir von der Sonne begrüsst und genossen zum ersten Mal, seit wir in Zermatt angekommen waren, den Blick aufs Matterhorn. Nach einem flotten Frühstück im Hotel Riffelhaus erwartete uns das eigentliche Highlight des diesjährigen Mitarbeiterevents: Ein 30-minütiger Helikopterflug mit der Air Zermatt. Aufgeteilt in drei Gruppen flogen wir in Eurocoptern AS 350 Ecureuil rund um die Walliser Viertausender. Neben dem Matterhorner Gipfelkreuz konnten wir diverse von tiefen Spalten durchfurchte Gletscher bewundern. Aus der Höhe waren ausserdem verschiedene Wahrzeichen wie die Monte-Rosa-Hütte und das Kulmhotel Gornergrat sowie in der Ferne die italienische Poebene zu erkennen – kurz: das Erlebnis war atemberaubend!

Mit dem Gefühl von „verliehenen Flügeln“ verging der Rest des Morgens im Nu und man traf sich am frühen Nachmittag zu einem gemeinsamen Mittagessen. Dieses fand im Restaurant „Zum See“ statt, das von der englischen Tageszeitung „The Telegraph“ zusammen mit „Chez Vrony“ zu den zehn weltbesten Bergrestaurants gekürt wurde. Aufgrund der nicht ganz so liebenswürdigen Bedienung ist das „Zum See“ im internen Ranking allerdings deutlich nach dem „Chez Vrony“ anzusiedeln. Das gute Essen und der erlesene Wein führten dennoch vor Augen, dass sich Zermatt zu Recht als „kulinarischen Hotspot“ bezeichnet.

Ein letztes Mal galt es nun, die Pisten respektive die Wanderwege unsicher zu machen, was aufgrund der zunehmenden Vereisung gar nicht so schwerfiel. Im „Hennu-Stall“ wurde dann ordentlich Après-Ski gefeiert, wo trotz des Namens ein recht ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herrschte. Niemand geriet in Gefahr, Hahn (oder mit Blick auf die Abbildung vielleicht doch Henne?) im Korb zu sein.

Im Hotel Post in Zermatt konnte man sich im hauseigenen Spabereich bei Sauna, Dampfbad und Jacuzzi von den Anstrengungen und dem Lärm erholen, oder, wie es so schön auf der Website des Hotels heisst „dem Geist Flügel schenken, den Tag ausatmen und einfach nur dem Klang der Stille lauschen“. Den pseudopoetischen Anwandlungen des Werbetexters Folge leistend, soll auch der Bericht des diesjährigen Mitarbeiterausflugs langsam zu einem Ende kommen. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass das Team der EVU Partners durch gemeinsam erlebte Schneestürme und Höhenflüge erneut gewachsen ist und sich bereit zeigt, auch im Alltag sämtlichen Widerständen zu trotzen, ohne dabei das Schöne und Erhabene aus den Augen zu verlieren.


Über den Autor
Author
Die Betreuung der Homepage, das Redigieren von Publikationen, die Organisation von Anlässen sowie diverse andere Aufgaben stellen eine spannende Abwechslung zu meinen typischen Office Management Aufgaben dar.

Weitere Beiträge von diesem Autor