Mitarbeiterausflug 2017

Mitarbeiterausflug 2017 – Vom Bundesbrief, der Landsgemeinde und vom Pumpspeicherwerk Linth-Limmern

«Tradition und Transformation», so lautet das Motto unseres diesjährigen Mitarbeiterausflugs, der in der Stadt Glarus seinen Anfang nimmt. Der Hauptort des gleichnamigen Kantons liegt am Fusse von mehreren imposanten Bergen, gewissermassen direkt auf der Grenze von Kalkstein und Flysch-Sandsteinen, wie wir später an diesem Morgen noch erfahren werden.

Kaum am Bahnhof angekommen, werden wir von Energiedirektor Robert Marti persönlich in Empfang genommen und ins Rathaus geführt. Dort bringt uns der ehemalige Landammann die von Glarus gepflegten Traditionen auf charmante und lebendige Art näher. Direkt vor Ort, nämlich im Landrats- sowie im Regierungsratssaal, werden wir darüber unterrichtet, wie die korrekte und vor jedem Votum zu wiederholende Anrede der Ratsteilnehmer lautet. Dabei versichert uns Marti, dass der Rat trotz dieser gehobenen Gesprächskultur dennoch problemlos eine ellenlange Traktandenliste in zwei Stunden abarbeiten kann. Zudem werden wir in die ungeschriebenen Gesetze des «Ausmehrens» eingeweiht, nach denen der Landammann im Zweifelsfall immer gegen den Antrag der Regierung entscheidet. Die Anspannung, die der Landammann nach einer monatelangen Vorbereitungsphase im Kantonsparlament verspürt, wenn er an der Landsgemeinde vor seinen «hochvertrauten, lieben Mitlandleuten» – sprich vor einigen Tausend Stimmberechtigten – in kurzen, prägnanten Worten (im Idealfall sollten 3–5 Minuten nicht überschritten werden) das Anliegen der Regierung vorbringt, können wir gut nachvollziehen. Die direkte Demokratie der Landsgemeinde, wo die Stimme live und unter den Augen der Schwiegereltern, der Nachbarn oder der Arbeitskollegen abgegeben wird, funktioniert in Glarus eben etwas anders als im Rest der Schweiz. Überraschende Entscheide, wie etwa 2006, als die 25 Gemeinden des Kantons zu 3 Gemeinden fusionierten (anvisiert waren 10), können nicht ausgeschlossen werden und sind auch Robert Marti in lebhafter Erinnerung.

Nach dem Besuch des Ratshauses dürfen wir während einer Stadtführung durch den Geologen Mark Feldmann mehr über Glarus und seine Geschichte erfahren. Neben den bereits eingangs genannten geologischen Eigenheiten scheint das heutige Stadtbild v.a. durch einen im Jahr 1861 wütenden Grossbrand geprägt zu sein. Beim raschen Wiederaufbau der Stadt orientierte man sich damals an dem aus den USA bekannten Schachbrettmuster. Das rechtwinklig angelegte Strassengeflecht ist in überraschend grosszügigen Dimensionen ausgeführt, dies, um weitere Feuersbrünste zu verhindern. Davon heben sich die wenigen schmalen, zusammengebauten Häuser mit den engen Gässchen deutlich ab, die der Brand damals verschont hat.

Nach diesem informativen und unterhaltsamen Morgen werden wir zum Mittagessen auf das Restaurant Bergli chauffiert, wo wir eine traditionelle Glarner Chalberwurst und eine herrliche Aussicht auf Glarus und die umliegenden Berge geniessen dürfen. Und selbstverständlich können wir nun mit geübtem Auge die Ausdehnungen des historischen Brandes im Stadtbild erkennen sowie die Gesteinsarten der verschiedenen Gebirgszüge unterscheiden.

Schon bald nach dem Mittagessen steht ein weiterer Programmpunkt an: Die Besichtigung des Pumpspeicherwerks Linth-Limmern. Ausgerüstet mit Schutzkombi, Helm und Sprechgarnituren betreten wir den 8 Meter hohen Zugangsstollen, der uns mittels einer 4 Kilometer langen Standseilbahn zu den Kavernen bringt.

Welche logistischen Herausforderungen eine solche Grossbaustelle im Hochgebirge mit sich bringt, erahnen wir bereits nach dem informativen Video der Axpo. So mussten z.B. alle Maschinen und Baumaterialien auf der bis zu 30 Tonnen angelegten Seilbahn auf den Berg transportiert werden. Was für die Seilbahn zu schwer war, wurde über die Standseilbahn zu den Kavernen gebracht oder gleich an Ort und Stelle aus Einzelteilen zusammengebaut.

Eine Zeit lang durchstreifen wir das labyrinthartige und weitläufige Stollensystem und sind froh über unseren bewanderten Führer, der uns nach einer Weile sicher und wohlbehalten zu den Maschinenkavernen bringt. Diese Halle, die die 4 Maschinengruppen beherbergt (jede Pumpturbine hat eine Leistung von 1000 MW) misst 150 Meter in der Länge und ist 50 Meter hoch. Sie ist so perfekt verschalt und ausgeleuchtet, dass man kaum auf die Idee kommt, sich tief im Innern eines Berges zu befinden. Oben befinden sich zwei Hallenkrane, mit deren Hilfe die Generatoren und Turbinen montiert wurden.

Das Ausbruchsmaterial der Kavernenhalle, der Stollen und der Transformatorenhalle wurde übrigens fast vollständig mittels eines nur zu diesem Zweck eingerichteten Materialumschlagsplatzes mit Kiessilos und Brecheranlagen zu Beton verarbeitet oder zum Bau der Staumauer – es ist die längste der Schweiz und die höchstgelegenste Europas – verwendet.

Dass es sich bei diesem Pumpspeicherkraftwerk um einen Jahrhundertbau handelt, machen alle diese Zahlen und Fakten, zu denen es noch viele hinzuzufügen gäbe, sowie die nicht ganz unbedeutenden Kosten von 2.1 Milliarden Franken klar.

Tief beeindruckt und ziemlich durstig verlassen wir gegen Abend den Zugangsstollen, um noch kurz in unseren Guantanamo-Anzügen für ein Gruppenbild zu posieren und uns danach am Apéro im Hotel Tödi zu stärken. Um den Kreis von «Transformation» zurück zu «Tradition» zu schliessen, lassen wir den Abend bei einem Jassturnier ausklingen.

Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen nehmen wir am nächsten Morgen die (überraschend „zahme“) Wanderung von Balm (Klausenpass) nach Biel unter die Füsse. Der Höhenweg bietet einen wunderbaren Ausblick ins wildromantische Schächental und so sind die 13 Kilometer schon zur Mittagszeit überwunden und wir in schmalen Gondeln bereits wieder auf dem Weg ins Tal.

Von dort fahren wir nach Schwyz, wo wir zwar etwas müde und verschwitzt ankommen, nach einer kurzen Kaffeepause aber an einer unterhaltsamen und kurzweiligen Führung durch das Bundesbriefmuseum teilnehmen dürfen. Die anfängliche Enttäuschung über das überraschend kleinformatige Dokument, dem dieses Museum seine Existenz verdankt, sowie über den nordischen Ursprung der Apfelschuss-Sage und der Tellsfigur ist schnell überwunden.

Schon bald folgen wir gespannt den Ausführungen über die Etablierung eines einheitlichen Gründungsdatums und einer Gründergestalt anlässlich der 600-Jahrfeier im Jahr 1891, womit die Einheit der bis dahin zerstrittenen und zerstückelten Schweiz propagiert wurde. Dass das Selbstverständnis der Schweizerinnen und Schweizer somit mehr auf Mythen denn auf Fakten aufgebaut ist, kann uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erschüttern.

Nach dieser erneut sehr interessanten Wissensvermittlung bleibt uns noch genügend Zeit, den schönen Vierwaldstättersee (oder wahlweise das Spa des Waldstätterhofes in Brunnen) in vollen Zügen zu geniessen, was einem weiteren gelungenen EVU Partners-Mitarbeiterausflug gewissermassen die Krone aufsetzt


Über den Autor
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Die Betreuung der Homepage, das Redigieren von Publikationen, die Organisation von Anlässen sowie diverse andere Aufgaben stellen eine spannende Abwechslung zu meinen typischen Office Management Aufgaben dar.

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