Interview mit Markus Flatt, EVU Partners, und Stephan Speith, Gründer Colibri Carbon, über die Motivation und Ziele der Zusammenarbeit.
Was hat euch motiviert diesen Schritt zu gehen?
Markus Flatt: Die Zeit von Nachhaltigkeitsberichten als Marketingbroschüren ist vorbei. Zielsetzungen wie 35 TWh Neue Erneuerbare bis 2035 und insbesondere «Netto-Null» bis 2050 sind aufgrund von Investitionszyklen und Realisierungszeit sehr konkret. Unsere Kunden fragen daher zunehmend Beratungsdienstleistungen im Bereich Nachhaltigkeitsentwicklung, insbesondere zu CO2-Reduktionspfaden an. In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Marktteilnehmer bereits grundlegende Entscheidungen, wie der Ausbau von Erneuerbaren, der Aufbau von Wärmeversorgungen oder die Stilllegung von Gasnetzen getroffen. Viele «low hanging fruits» sind bereits geerntet, nun gilt es die Strategien auf ihren konkreten Beitrag zur Zielerreichung zu bewerten und bei Bedarf weitergehende Massnahmen zu erarbeiten. Dabei ist es gerade in Zeiten angespannter Finanzlagen wichtig, diejenigen Massnahmen zu realisieren, welche die Zielerreichung zu den optimalen Kosten ermöglichen. Durch die Integration des Teams von Colibri Carbon stärken wir unsere Leistungsfähigkeit in diesem Beratungsfeld massiv.
Stephan Speith: Colibri Carbon ist spezialisiert auf Energieversorger und Unternehmen des Energiesektors. Einerseits sehen wir zahlreiche Schnittstellen zu den Beratungsangeboten von EVU Partners, in die wir unser Know-how im Themenfeld Nachhaltigkeit einbringen können. Bespiele sind Eigentümer- und Unternehmensstrategien, Transformationsprogramme oder Geschäftsmodellentwicklung. Andererseits erwarten wir durch die exzellente Vernetzung von EVU Partners eine noch höhere Sichtbarkeit für unsere Lösungen in der Branche.
Was passiert mit Colibri Carbon und was bedeutet die Übernahme für die Kunden von Colibri Carbon?
Stephan Speith: Wir wollen Synergien in unseren Leistungsangeboten optimal erschliessen und bestmöglich integrierte Services für unsere Kunden anbieten. Wir sind der Überzeugung, dass uns dies besonders gut unter einer gemeinsamen Marke gelingen wird. Daher wird das Unternehmen Colibri Carbon Partner mit seinen Leistungen und Mitarbeitern vollständig in die EVU Partners übergehen. Für die bestehenden Kunden und die laufenden Engagements bedeutet die Übernahme keine Veränderungen. Unsere eigenen Leistungsangebote bleiben bestehen, können aber durch den Rückgriff auf Kompetenzen von EVU Partners verbreitert werden.
Was bedeutet die Übernahme für die Kunden von EVU Partners?
Markus Flatt: Wir spüren bei unseren Kunden einen Wunsch nach Professionalisierung insbesondere im Umgang mit Nachhaltigkeit und im Bereich der CO2-Emissionen. Viele Städte und Gemeinden sehen sich als Vorreiter beim Klimaschutz und streben eine Klimaneutralität beispielsweise bereits im 2040 an. Als Eigentümer übertragen sie diese Ambitionen regelmässig auch auf «ihren» Energieversorger. Erst ein standardkonform erfasster CO2-Fussabdruck ermöglicht es, eine tatsächlich funktionierende Reduktionsstrategie zu entwickeln und Fortschritte bei der Dekarbonisierung nachzuweisen.
Stephan Speith: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine systematisch aufgebaute Reduktionsstrategie auch eine Objektivierung der Diskussion zwischen Energieversorger und Eigentümer ermöglicht. Erst dann sind fundierte Entscheide zu grösseren Investitionsprogrammen möglich, die neben klassischen betriebswirtschaftlichen Parametern auch den Nutzen für das Klima abbilden.
Warum passen EVU Partners und Colibri Carbon gut zusammen?
Markus Flatt: Wir kennen uns lange und haben bereits vor dem Schritt der Übernahme gemeinsam in verschiedenen Engagements gearbeitet. Am Wichtigsten ist sicherlich, dass uns die gleiche «DNA» auszeichnet. Wir arbeiten mit höchsten Qualitätsansprüchen und passgenau für die jeweilige Situation des Kunden. Beide Unternehmen sind eng mit dem Energiesektor verbunden.
Stephan Speith: Wir sehen uns beide als Partner für die Unternehmen der Branche. Unser Anspruch ist es, Themen aktiv mitzugestalten, immer mit einem Fokus auf den klaren Mehrwert für den Kunden. Die Kombination des Nachhaltigkeits- und Wirtschaftlichkeits-Know-hows von Colibri Carbon und EVU Partners gibt uns hierfür noch mehr Schlagkraft.
Die Schweizer Energiewirtschaft ist doch bereits sehr nachhaltig – wozu braucht es ein Emissions- oder Nachhaltigkeitsmanagement?
Stephan Speith: Das im 2023 verabschiedete Klima und Innovationsgesetz sieht eine Reduktion der Emissionen auf «Netto-Null» bis spätestens 2050 vor. Energieversorger und Firmen aus der Branche haben bereits umfangreiche Aktivitäten auf dem Weg zu diesem Ziel gestartet. Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Die Branchenunternehmen sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung absolut bewusst und handeln dementsprechend. Gleichwohl ermöglicht die Arbeit entlang von Standards und Best-Practices nach unserer Erfahrung einen Effizienz- und Qualitätsgewinn.
Was plant ihr für 2026? Was sind die nächsten gemeinsamen Schritte?
Markus Flatt: Wir sind bereits mit der Integration unserer Leistungsangebote gestartet. Ausserdem beginnen wir das Jahr mit zahlreichen neuen Engagements. Wir freuen uns auf spannende, nachhaltige Projekte in der Schweizer Energiewirtschaft.
Vielen Dank für das Gespräch.